Lass mich über Nacht bleiben — deutsches Cover

GESCHICHTEN DES RUDELS · LESEPROBE

Lass mich über Nacht bleiben

Lies die ersten fünf Kapitel.

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Kapitel 1

Eine verrückte Nacht

Ugh... Es tut weh...

Als Kristen Seidel aufwachte, hatte sie das Gefühl, als wäre ihr Körper von einem Lastwagen angefahren worden.

Als sie sich zur Seite drehte, sah sie das Gesicht eines gutaussehenden, aber kalt wirkenden Mannes.

Kristen war so geschockt, dass ihr Herz fast auf der Stelle aufhörte zu schlagen.

Ihre Augen weiteten sich und ihr Gehirn war einige Sekunden lang leer, bevor sie sich daran erinnerte, was passiert war.

Oh, das ist richtig ... Jemand hat mich gestern Abend auf der Abschlussfeier unter Drogen gesetzt, und ich bin auf meiner Flucht versehentlich in das Zimmer dieses Mannes gelangt ...

Der Mann schlief noch tief und fest.

Kristen biss die Zähne zusammen und ertrug den starken Schmerz, als sie vorsichtig aus dem Bett stieg. Der Boden war völlig durcheinander und ihre Kleidung war in Stücke gerissen. Sie stieß einen hilflosen Seufzer aus, als sie das weiße Hemd des Mannes anzog und leise den Raum verließ.

Nathaniel Baumann wachte auf, kurz nachdem Kristen das Hotel verlassen hatte.

Er kniff die Augen zusammen, als er sich umsah und sah, dass sie nirgends zu sehen war.

Der unordentliche Zustand des Zimmers und der Blutfleck auf dem Bettlaken waren Beweise dafür, dass er mit einer Frau geschlafen hatte.

Nathaniel hatte seit seinem Unfall vor fünf Jahren eine Frauenallergie entwickelt. Da keine Frau auch nur annähernd an ihn herankommen konnte, verbreiteten die Leute böse Gerüchte darüber, dass er die Familienlinie nicht weiterführen könne.

Er hatte das Gefühl, dass seine Begegnung mit dieser unbekannten Frau letzte Nacht ein Wunder der Wissenschaft war.

Ohne zu zögern schnappte er sich sein Telefon und rief seinen Assistenten an. „Kommen Sie sofort vorbei.“

Sein Assistent, Sebastian Schuster, traf kurz darauf in seinem Hotelzimmer ein.

„Überprüfen Sie die Aufnahmen der Überwachungskameras. „Ich möchte Informationen über die Frau, die letzte Nacht in meinem Zimmer war“, befahl Nathaniel, nachdem er sich angezogen hatte.

"Frau?"

Nathaniels Stimme wurde kalt, als er fragte: „Was? Gibt es ein Problem?"

Sebastian erstarrte vor Schock.

Aber Herr Baumann ist allergisch gegen Frauen! Immer wenn er sich ihnen nähert, bekommt er einen Ausschlag! Die dreijährige Behandlung im Ausland hat ihm nicht geholfen. Wie konnte er also gleich nach seiner Rückkehr mit einer Frau schlafen?

Natürlich wagte Sebastian nicht, im geringsten an Nathaniels Worten zu zweifeln. „N-Überhaupt kein Problem!“

Er wollte sich gerade auf den Weg machen und seine Aufgabe erledigen, als Nathaniel ihm erneut zurief: „Sagen Sie dem Anwalt, Herr Roth, er solle mich in meiner Kanzlei besuchen.“

Es war fast neun, als Kristen zum Landschaftsgarten Manor zurückkehrte.

Sie hielt inne, als sie sah, wie die Haushälterinnen den Hof säuberten.

Jetzt, wo ich die Nacht draußen verbracht habe, werden sie bestimmt klatschen und Gerüchte über mich verbreiten!

Während Kristen darüber nachdachte, ob sie ihnen aus dem Weg gehen sollte, kam der Butler herüber.

„Ah, du bist zurück!“

"Ja."

„Was ist mit deiner Kleidung passiert?“

Kristen zupfte an ihrem Hemd, das sie trug. „Oh, ich habe es gerade gekauft. Es ist das neueste Design. Steht es mir gut?“

Solange ich zuversichtlich wirke, wird der Butler nicht wagen, mir zu viele Fragen zu stellen!

Obwohl das Hemd etwas groß war, war es gerade lang genug, um Kristens Oberschenkel zu bedecken und nur ihre schlanken Waden freizulegen.

Der Butler nickte nur, ohne etwas weiter zu sagen.

Kristen richtete sich auf und ging in den zweiten Stock.

Der Butler wartete, bis sie ihr Zimmer betreten hatte, bevor er sich in eine ruhige Ecke begab.

Nachdem sie das Badezimmer im Schlafzimmer betreten hatte, tauchte Kristen in die Badewanne, um ihre Schmerzen zu lindern.

"Pfui! Das macht mich so wütend!“ Sie murmelte leise, als sie ihre Augen schloss und sich daran erinnerte, was letzte Nacht passiert war.

Ich werde herausfinden, wer mich unter Drogen gesetzt hat, und ich werde diese Person dafür bezahlen lassen!

Sie änderte jedoch ihre Meinung, als sie an den Mann dachte, mit dem sie im Bett war.

Nein, ich kann es mir nicht leisten, das übertrieben darzustellen. Mein Mann, den ich trotz meiner mittlerweile dreijährigen Ehe nie kennengelernt habe, wird bald aus dem Ausland zurückkehren. Richtig problematisch wird es, wenn er herausfindet, dass ich mit anderen Männern geschlafen habe, und meine Familie damit zur Rede stellt.

Kristen wurde aus ihren Gedanken gerissen, als der Butler an die Tür klopfte. „Ma'am.“

"Ja?"

"Herr. Baumanns –“

"Er ist wieder da?" Kristen verkrampfte sich, als sie das hörte.

So früh?

Kapitel 2

Scheidung

„Nein, Herr Baumanns Anwalt ist hier. Er will dich sehen.“

Ein Anwalt? Warum sollte plötzlich ein Anwalt vorbeikommen?

Kristen war neugierig und nervös, zog sich langsam an und verließ das Badezimmer.

Der Anwalt Leonardo Roth saß auf der Couch im Wohnzimmer. Auf dem Couchtisch vor ihm lagen zwei Sätze Dokumente und ein schick aussehender Stift.

„Was führt Sie plötzlich hierher, Herr Roth?“ fragte Kristen, als sie sich neben ihm auf die Couch setzte.

Leonardo verschwendete keine Zeit mit Höflichkeiten und kam direkt zur Sache. "Herr. „Baumann wollte, dass ich Ihnen diese Dokumente gebe“, sagte er und reichte ihr einen der beiden Ordner auf dem Couchtisch.

Aus irgendeinem Grund hatte Kristen ein schlechtes Gefühl wegen des Inhalts.

Tatsächlich stellte sich heraus, dass es sich bei dem Dokument um eine Scheidungsvereinbarung handelte.

„Eine Scheidungsvereinbarung? Er will sich von mir scheiden lassen?“ Kristen war schockiert und verwirrt über die plötzliche Wendung der Ereignisse.

"Das ist richtig." Leonardo nickte. „Sobald Sie und Herr Baumann geschieden sind, kann die Familie Seidel die fünfzig Millionen als Entschädigung behalten.“

„Ist er das ernst?“ Kristen konnte ihren Ohren immer noch nicht trauen.

Vor drei Jahren stand die Familie Seidel kurz vor dem Bankrott. Kristens Stiefmutter Miranda Weaver und ihr herzloser Vater hatten sie der Familie Baumann im Austausch für fünfzig Millionen angeboten.

Sie hatte angenommen, dass sie mindestens fünf bis acht Jahre bei der Familie Baumann verbringen müsste, bevor sie aus ihrer Ehe ausbrechen würde, doch Nathaniel ließ sich in weniger als drei Jahren von ihr scheiden.

Leonardo nickte. "Ja, ist er. Herr Baumann hat die Scheidungspapiere bereits unterschrieben.“

„Warum wollte er sich von mir scheiden lassen?“

"Herr. Baumann nannte seine Gründe nicht.“

"Also gut!"

Kristen blätterte auf der letzten Seite der Scheidungsvereinbarung und unterschrieb ihren Namen neben dem von Nathaniel.

Ich weiß nicht, warum Nathaniel sich sofort nach seiner Rückkehr aus dem Ausland von mir scheiden lassen wollte, aber ich muss es auch nicht herausfinden! Er hat die Scheidung beantragt, also kann ich diese Gelegenheit genauso gut nutzen, um mich aus dieser Ehe zu befreien! Gegen diese Scheidung wird meine Familie ohnehin nichts einzuwenden haben!

Nachdem Leonardo gegangen war, wollte Kristen gerade nach oben gehen und anfangen, ihre Koffer zu packen, als eine Haushälterin ins Wohnzimmer kam.

"Frau. Baumann ist hier, um Sie zu sehen“, sagte die Haushälterin.

Als Kristen das hörte, drehte sie sich um und sah Julia Hanks vor der Haustür stehen. Obwohl Julia über fünfzig war, sah sie immer noch schön und elegant aus, als sie das Haus anmutig betrat.

Nachdem sie sich auf die Couch gesetzt hatte, schaute Julia zu Kristen auf und runzelte unzufrieden die Stirn, als sie sah, wie glücklich sie war.

„Worüber freust du dich so?“ Sie fragte.

„Ich bin glücklich, weil ich mich von Nathaniel scheiden lasse. Ab heute werde ich nicht mehr in diesem Haus wohnen“, sagte Kristen und ging die Treppe hinauf.

Julia hatte aufgrund ihres unscheinbaren familiären Hintergrunds immer auf Kristen herabgesehen und darauf bestanden, dass Kristen sie mit „Frau Baumann“, seit sie in die Familie eingeheiratet hat.

Natürlich war Kristen auch nicht besonders freundlich zu ihrer arroganten Schwiegermutter.

Julia war schockiert, als sie das hörte.

Was? Nathaniel hat sich von ihr scheiden lassen? Bedeutet das, dass ich den ganzen Weg hierher gekommen bin, umsonst? Da ich bereits hier bin, muss ich etwas tun, um den Ruf der Familie Baumann zu schützen!

"Warte mal!" Schrie Julia streng, nachdem sie einen Moment gebraucht hatte, um ihre Fassung wiederzugewinnen. „Ich bin heute hierher gekommen, um Sie zu fragen, ob Sie meinen Sohn betrogen haben!“

Kristen erstarrte und starrte Julia und den Butler an, der neben ihr stand. Sie lächelte schwach, als sie antwortete: „Nein, das habe ich nicht.“

Sie hatte Nathaniel noch nie zuvor getroffen, also gab es sowieso keine Beziehung, die sie verraten hätte.

Außerdem war sie letzte Nacht ein Opfer der Situation.

„Du wirst es nicht zugeben, oder? Bußgeld! Geh und durchsuche ihr Schlafzimmer!“ Julia befahl den Haushälterinnen und wollte ihren Worten nicht glauben.

Die Haushälterin ging schnell nach oben und durchsuchte Kristens Schlafzimmer.

Ein paar Minuten später kamen sie mit dem Hemd zurück, das Kristen noch nicht weggeräumt hatte.

"Was ist das?" Fragte Julia mit dem Hemd in der Hand.

„Ein Hemdkleid, das ich heute Morgen gekauft habe“, antwortete Kristen ruhig.

Sie wollte niemandem von diesem Vorfall erzählen, da die Familie Baumann die Familie Seidel mit Sicherheit zerstören würde, wenn sie herausfände, was passiert war.

Obwohl ihr die Familie Seidel egal war, wollte sie nicht, dass ihre Mutter mit ihnen leiden musste.

Julia begann sich zu fragen, ob sie Kristen zu Unrecht des Betrugs beschuldigt hatte, als sie das Selbstvertrauen in ihren Augen sah.

Allerdings war dieses Hemd eindeutig für Männer gemacht und am Kragen war mit Goldfäden der Buchstabe „N“ eingenäht. Es handelte sich eindeutig um ein luxuriöses Kleidungsstück.

Kapitel 3

Ihr Name ist Kristen Seidel

Julia wurde noch wütender, als sie das bemerkte. Sie ging auf Kristen zu und schlug ihr hart ins Gesicht, sodass es auf der Stelle anschwoll.

„Ich gebe es immer noch nicht zu, oder? Ich wette, du hast meinen Sohn betrogen und deinen Toyboy mit dem Geld unserer Familie behalten!“

Julia hatte Kristen von Anfang an nie als Mitglied der Baumann-Familie gesehen. Tatsächlich hatte sie bereits einen Kandidaten für die Heirat mit Nathaniel ausgewählt und wollte Kristen rausschmeißen, sobald er von seiner Krankheit geheilt war.

Kristen ist nichts weiter als ein nutzloser Parasit! Sie hat es nicht verdient, Teil der Baumann-Familie zu sein!

Kristen hatte nicht erwartet, dass Julia allein aufgrund eines Hemdes auf eine so lächerliche Theorie kommen würde. Sie rieb sich die geschwollene Wange, während sie Julia trotzig anstarrte.

„Ich bin jetzt seit drei Jahren in die Familie Baumann eingeheiratet und Nathaniel hat sich kein einziges Mal gezeigt. Wenn man bedenkt, wie schön die ausländischen Frauen sind, würde ich sagen, dass es wahrscheinlicher ist, dass er derjenige ist, der mich betrogen hat.“

"Du-"

Da sie es nicht ertragen konnte, dass jemand ihren Sohn beleidigte, hob Julia die Hand, um Kristen erneut zu schlagen.

Diesmal jedoch packte Kristen mühelos ihr Handgelenk und sagte: „Frau Baumann, ich habe dir einmal erlaubt, mich zu schlagen, weil du ein Ältester bist, aber du solltest meine Geduld nicht mit Schwäche verwechseln. Vergessen Sie nicht, wie ich überhaupt in die Familie Baumann eingeheiratet habe. Es wird dir überhaupt nichts nützen, gegen mich zu kämpfen.“

Damals war sie unter Drogen gesetzt und gegen ihren Willen an die Familie Baumann ausgeliefert worden. Wäre ihre Mutter nicht der Gnade der Familie Seidel ausgeliefert gewesen, hätte Kristen Nathaniel nicht drei Jahre lang freiwillig geheiratet, nur um ihn von diesen bösen Gerüchten zu befreien.

Julias Augen weiteten sich vor Wut und Unglauben. „Du wagst es, mir zu drohen?“

Drei Jahre lang war sie davon ausgegangen, dass Kristen harmlos und unterwürfig sei. Deshalb war sie schockiert, als Kristen sich tatsächlich wehrte.

„Nein, ich möchte Sie nur sanft daran erinnern.“ Mit einem Lächeln im Gesicht ließ Kristen Julias Handgelenk los. „Wie auch immer, ich werde jetzt gehen.“

Kristen ging nach oben, um ihre Sachen zu packen, und verließ bald darauf das Haus.

Währenddessen klopfte Sebastian an die Tür des Büros des CEO der Baumann Corporation und ging auf Nathaniel zu, der auf der Couch saß.

„Wir haben herausgefunden, wer sie ist, Herr Baumann.“ Er reichte Nathaniel eine Mappe. „Ihr Name ist Kristen Seidel. Sie war auf der Abschlussfeier, als sie unter Drogen gesetzt wurde und aus Versehen in Ihrem Zimmer landete.“

Sebastian wusste sofort, dass Kristen nicht auf die Anweisungen einer anderen Person reagierte.

Nathaniel zeigte keinerlei Reaktion, als er einen Blick auf die Fotos in der Mappe warf.

Die Beleuchtung war schwach, aber die Kameras konnten Kristens Gesicht ziemlich deutlich einfangen.

Sie hatte exquisite Gesichtszüge, eine zierliche Figur und Kurven an den richtigen Stellen.

Nathaniel musste sich an die wilde Nacht erinnern, die er gestern mit ihr verbracht hatte. Als Sebastian bemerkte, dass Nathaniel ausdruckslos auf die Fotos starrte, fügte er vorsichtig hinzu: „Es gibt noch etwas, das Sie wissen müssen, Herr Baumann.“

"Was ist es?"

Sebastian war so nervös, dass er sich fast auf die Zunge biss, als er sagte: „Kristen ist eine verheiratete Frau.“

Nachdem er so viele Jahre unter Nathaniel gearbeitet hatte, wusste er genau, dass es ein Wunder war, einer Frau zu begegnen, die seine Allergie nicht auslöste.

Allerdings wusste er auch, dass Nathaniel es nicht ertragen konnte, mit Frauen zusammen zu sein, die anderen Männern gehörten.

Tatsächlich wurde der Ausdruck auf Nathaniels Gesicht sofort düster.

Sebastian brach kalter Schweiß aus, als er spürte, wie die Temperatur im Raum rapide sank.

Summen...

Die Stille im Raum wurde unterbrochen, als Sebastian einen Anruf von Landschaftsgarten Manor erhielt.

Sebastian warf instinktiv einen Blick auf Nathaniel, der als Antwort nickte.

Er ging schnell ans Telefon, aber der Anruf dauerte nur etwa zwei Sekunden.

Sebastians Gesicht wurde blass, als er sich zu Nathaniel umdrehte und nervös sagte: „Herr Baumann, die Haushälterin, sagte, Frau Baumann sei zum Landschaftsgarten Manor gegangen und habe Ihrer Frau das Leben schwer gemacht. Frau Baumann sagte, Ihre Frau hätte Sie betrogen.

Kapitel 4

Unterzeichnete Scheidungsvereinbarung

"Herr. Baumann, möchtest du nach Hause gehen und es dir ansehen?“ fragte Sebastian, als er sah, dass Nathaniel ihm eine Weile nicht geantwortet hatte.

„Nein“, sagte Nathaniel knapp. Sie ist einfach eine unbedeutende Frau, die meine Mühe nicht wert ist.

Gleichzeitig warf er Sebastian mit einem teilnahmslosen Gesichtsausdruck den Stapel Dokumente in seiner Hand zu. "Befreie dich davon."

"Verstanden." Für Sebastian war klar, dass Nathaniel nicht gut gelaunt war, also ging er schnell.

Nathaniel rutschte auf seinem Sitz herum und ordnete seine Gedanken, bevor er sich an die Arbeit stürzte.

Klopf klopf!

Plötzlich klopfte es an der Tür.

"Komm herein."

"Herr. Baumann, Frau Baumann hat die Scheidungspapiere unterschrieben.“ Es war Leonardo. Er übergab die unterzeichnete Scheidungsvereinbarung an Nathaniel.

Nathaniel war leicht fassungslos. Dann erinnerte er sich daran, Leonardo früher am Morgen gebeten zu haben, mit den Scheidungsangelegenheiten fortzufahren. Er riss aus seinen Gedanken und nahm die Zustimmung von Leonardo entgegen.

„Sie hat keine Szene verursacht?“

„Nein“, antwortete Leonardo.

Julia war diejenige, die hinter der Heiratsvereinbarung zwischen Nathaniel und der Familie Seidel stand.

Er hatte der Ehe nur aus einem Grund zugestimmt: um den Wunsch seiner kranken Großmutter zu erfüllen, ihn heiraten zu sehen.

Jetzt, wo Oma genesen ist, kann ich mit der Frau nichts mehr anfangen.

Nathaniel hatte keinen Eindruck von der Frau, die seit drei Jahren seine Frau war. Er konnte sich nicht einmal an ihren Namen erinnern.

Als Geschäftsmann erinnerte er sich jedoch daran, dass die Familie Seidel durch die Verheiratung ihrer Tochter fünfzig Millionen aus dem Geschäft profitiert hatte, ganz zu schweigen von den unzähligen Vorteilen, die sie von der Familie Baumann abgezapft hatten.

Nathaniel hatte gedacht, dass die Familie Seidel während des Scheidungsverfahrens übertriebene Forderungen stellen würde. Er hatte nicht damit gerechnet, wie leicht sie den Bedingungen zustimmten.

Nathaniel blätterte zur letzten Seite des Dokuments. „Kristen Seidel?“

Ihre zarte Unterschrift fiel ihm ins Auge.

„Ihr Name ist Kristen Seidel?“ Nathaniel hob den Kopf und hob leicht verwirrt eine Augenbraue, als er Leonardo ansah.

"Ja. „Frau Baumanns Name ist Kristen Seidel“, antwortete Leonardo, obwohl er nicht verstand, warum Nathaniel ihm diese Frage gestellt hatte.

Ein unvorstellbarer Ausdruck erfüllte Nathaniels Augen, nachdem er Leonardos Bestätigung erhalten hatte. Gleichzeitig erinnerte er sich daran, was Sebastian zuvor gesagt hatte.

Plötzlich fügten sich unterschiedliche Ereignisse zusammen und bildeten in seinem Kopf eine zusammenhängende Erzählung.

„Widerrufen Sie die Vereinbarung“, befahl Nathaniel und seine Augen verengten sich leicht.

Leonardo war überrascht. Bevor er es mit Nathaniel klären konnte, warf Nathaniel ihm die Dokumente zu, sprang von seinem Sitz auf und ging zur Tür.

„Sebastian!“ schrie Nathaniel.

Der Mann wartete direkt vor Nathaniels Tür. Er stieß sofort die Tür auf. "Herr. Baumann?“

"Hole das Auto. Wir fahren zurück zum Landschaftsgarten Manor.“

"Okay." Sebastian verstand nicht, warum Nathaniel seine Meinung geändert hatte, aber er tat, was ihm gesagt wurde.

Kristen kehrte in ihr Wohnheim zurück, nachdem sie die Baumann-Residenz verlassen hatte. Sie stand kurz vor ihrem Universitätsabschluss.

Ihre Mitbewohnerin war für ein Praktikum unterwegs und ließ Kristen allein im Wohnheim zurück.

Sie genoss jedoch die Stille. Als sie sich auf der Couch zurücklehnte, um sich auszuruhen, klingelte ihr Telefon auf dem Couchtisch.

Kristen öffnete die Augen und warf einen Blick auf ihr Telefon.

Es war ein Anruf aus der Seidel-Residenz.

Sie wollte nicht darauf eingehen, da sie wusste, dass die Seidels sie wegen der Scheidung befragen mussten.

Ihr Telefon klingelte jedoch ununterbrochen.

"Hallo." Kristen gab nach und nahm den Anruf widerwillig mit gerunzelter Stirn entgegen.

"Wo bist du? Komm sofort nach Hause!“ Markus Seidels Stimme dröhnte aus dem Lautsprecher.

Kristen konnte sich bereits vorstellen, wie ihr Vater vor Wut brodelte.

Sie hielt das Telefon weiter von ihren Ohren entfernt und fragte mit kalter Stimme: „Was ist los?“

"Was ist los? Wie kannst du es wagen, diese Frage zu stellen? Weißt du nicht, was du getan hast?“ Markus war so laut, dass Kristen glaubte, seine Stimme würde ihr Trommelfell durchdringen. „Ich gebe dir eine Stunde. Komm schnell wieder nach Hause!“

Es war deprimierend, dass ein Vater seine eigene Tochter verfluchte, um sie nach Hause zu bringen.

Allerdings schien sich Kristen an die harten Worte gewöhnt zu haben. Sie lehnte ihren Vater völlig ab. „Ich habe nachmittags Unterricht.“

„Erzähl mir nicht so einen Mist, wenn dir deine Mutter immer noch am Herzen liegt!“ Markus brüllte und legte dann sofort auf.

Kristens Lippen zuckten, als sie sah, wie der Bildschirm ihres Telefons dunkel wurde.

Er hat nur diesen einen Trick im Ärmel, oder? Schade, dass es bei mir nur allzu gut funktioniert.

Ihre Mutter war ihre Achillesferse.

Das Glitzern in ihren Augen wurde in diesem Moment schwächer.

Solange Kristen zurückdenken konnte, war ihre Mutter, Berta Zapler, immer eine selbstlose Person gewesen, die der Familie Seidel alles gegeben hatte. Doch trotz Bertas Opfern hatte ihr Vater auf dem Höhepunkt seines Erfolgs eine Affäre.

Als sie fünf Jahre alt war, hatte Markus Miranda zusammen mit ihrer Tochter Emilia Seidel nach Hause gebracht.

Berta hatte beschlossen, Markuss Verrat zu ertragen und ließ sich zugunsten von Kristen entschädigungslos von dem Mann scheiden.

Ihre Freundlichkeit und ihre Kompromisse hatten sie jedoch nicht weitergebracht. Stattdessen wurde sie von Markus und Miranda immer wieder ausgebeutet und ausgetrickst.

Vor drei Jahren war Berta krank geworden und auf die Intensivstation eingeliefert worden, wofür sie eine große Summe Geld für ihre medizinische Behandlung benötigte.

Markus und Miranda hatten die Gelegenheit genutzt und einen hinterlistigen Plan ausgeheckt, Kristen in die Familie Baumann einzuheiraten, und das alles wegen der fünfzig Millionen Verlobungsgeschenk, die das scheiternde Unternehmen der Familie Seidel retten würde.

Kristen ballte bei diesem Gedanken ihre Fäuste.

Die Seidels glichen einem Rudel Wölfe, die vor nichts zurückschrecken, um sie in Stücke zu reißen und nichts als Knochen zurückzulassen.

Kapitel 5

Eine abscheuliche Show

Gleich nachdem Kristen die Seidel-Residenz betreten hatte, prasselte Markuss Züchtigung auf sie ein. „Du hast dich endlich entschieden zu kommen, oder?“

„Hast du mich nicht gebeten zu kommen?“ Kristen erwiderte.

Als Vater hatte Markus nie den Respekt oder die Bewunderung Kristens für ihn gespürt. Wütend über ihre Worte schleuderte Markus bösartig einen Becher nach ihr.

Der Becher traf sie nicht, sondern zersprang direkt vor ihren Füßen in Stücke.

Eine kleine Scherbe flog heraus und hinterließ eine Schnittwunde an Kristens zarter und schöner Hand, aus der purpurrotes Blut floss.

Als ob sie nichts fühlen könnte, runzelte Kristen nicht einmal die Brauen. Ihr Ton war immer noch teilnahmslos, als sie sagte: „Hast du mich nach Hause gerufen, nur um diesen Wutanfall zu bekommen? Jetzt, wo du deinem Ärger Luft gemacht hast, werde ich gehen.“

Dann drehte sie sich um, um zu gehen, ohne einen Anflug von Zögern.

„Genug, Markus. Reg dich nicht auf und vergiss die Hauptsache“, warf Miranda ein, die das Spektakel lange genug genossen hatte.

„Steh da!“ Markus unterdrückte seine Wut, da er an ihr Hauptziel erinnert wurde, Kristen nach Hause zu rufen.

Kristen blieb wie angewurzelt stehen.

„Ich habe gehört, dass Nathaniel sich von dir scheiden lässt?“

Kristen drehte sich um und antwortete: „Ja.“

Ihr entschlossener Ton ließ Markuss Blutdruck in die Höhe schnellen. „Du unverschämtes Mädchen! Gehen Sie sofort zurück zur Baumann-Residenz! Es ist mir egal, wie du es machst, aber du verlässt die Baumann-Familie nicht!“

Die Familie Baumann war eine Cash-Cow, deren Zügel die Familie Seidel in der Hand halten musste, denn sie wusste, dass sie in Hallenbay ausgelöscht werden würden, wenn die Familie Baumann nicht gewesen wäre.

„Glaubst du, dass ich so dumm bin, zweimal zuzustimmen, in ein Höllenloch zu gehen?“ Kristen fand Markuss Befehle amüsant.

„Kristen, du weißt, dass unsere Familie ohne die Baumanns nicht überleben kann“, sagte Miranda fast in einem flehenden Ton. Sie hatte Kristen nie gemocht, aber angesichts ihrer Interessen war ihr Stolz an zweiter Stelle.

„Was hat das mit mir zu tun? Ich bin kein Seidel“, stellte Kristen klar fest. Seitdem Markus ihre Mutter verraten hatte, hatte sie beschlossen, alle Verbindungen zur Familie Seidel abzubrechen.

Als Miranda sah, dass Kristen unerbittlich war und den Eindruck machte, dass ihr die Seidel-Familie egal war, zupfte sie an Markuss Ärmeln und deutete mit einem Blick auf ihn.

„Okay, dann werde ich anrufen und die finanzielle Unterstützung für die medizinische Behandlung deiner Mutter kündigen“, sagte Markus und griff schließlich Kristens schwächsten Punkt an.

Berta war vor einigen Jahren erkrankt und benötigte jeden Tag eine große Summe Geld für ihre Behandlung. Markus hatte sie wiederholt als Druckmittel benutzt, um Kristen dazu zu zwingen, das zu tun, was er wollte.

Sie wussten mit Sicherheit, dass Kristen sich Bertas kostspielige medizinische Behandlung niemals leisten konnte, daher hatte der Zwang immer wie ein Zauber gewirkt.

Diesmal zuckte Kristen jedoch mit den Schultern und hob eine Augenbraue, als sie sagte: „Wer ist Ihrer Meinung nach Nathaniel? Ein leichtgläubiger Niemand? Jemand, mit dem ihr immer wieder spielen könnt?“

Markuss und Mirandas Gesichter verfinsterten sich.

Die Baumanns hatten sich Emilia als Schwiegertochter gewünscht. Allerdings konnte Miranda es nicht ertragen, ihre Tochter mit einem hässlichen und angeblich schwulen Mann zu verheiraten. Sie hatte Kristen unter Drogen gesetzt und sie stattdessen zu den Baumanns geschickt.

"Es ist mir egal. Finden Sie es selbst heraus“, beharrte Markus.

Kristen verdrehte innerlich die Augen. "Geht nicht. Nathaniel hat mich aus der Baumann-Residenz gejagt, also kann ich nie dorthin zurückkehren, es sei denn, er kommt persönlich vorbei, um mich abzuholen.“

Als sie das sagte, hüpfte ihr Herz vor Freude, denn sie wusste, dass Nathaniel niemals in der Seidel-Residenz auftauchen würde.

Ihr Glück war jedoch nur von kurzer Dauer.

Im nächsten Moment huschte eine Haushälterin ins Wohnzimmer und sah seltsam nervös aus.

"Herr. Seidel, Frau Seidel, jemand aus der Familie Baumann ist hier.“

Lass mich über Nacht bleiben — deutsches Cover

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